Multiprotokoll-Messenger Pidgin unter Debian Etch

Pidgin BirdVon meinen Erfahrungen, den sehr guten und flinken Messenger „Pidgin“ auf meinem Linux-Laptop mit Debian Etch und Gnome sowie auf der Linux-Büchse meines Vaters (ebenfalls Debian Etch mit Gnome) zu installieren, möchte ich Euch hiermit profitieren lassen.

Während es wohl kein Problem ist, den Vorgänger von Pidgin „Gaim“ unter Debian Etch zum laufen zu bringen – zumal er bei einer Installation mit Gnome automatisch schon dabei ist – und es wohl ebenfalls kein Problem sein sollte, Pidgin unter Ubuntu/Kubuntu/Xubuntu zu installieren – weil es für diese Distributionen schon fertige .deb-Pakete gibt, ist es etwas kniffliger, Pidgin unter Etch zum laufen zu bringen.

Pidgin ist kostenlos und unterstützt übrigens folgende Protokolle: AIM, Bonjour, Gadu-Gadu, Google Talk, Groupwise, ICQ, IRC, MSN, MySpaceIM, QQ, SILC (verschlüsselt, erfordert zusätzlich das SILC Toolkit), SIMPLE, Sametime, XMPP (alias Jabber), Yahoo! (alias YIM) sowie Zephyr. Es kann über eine PlugIn-Schnittstelle erweitert werden.

Folgende Schritte haben bei mir zum Ziel geführt …

1. Ein Root-Terminal öffnen oder ggf. ein normales Terminal-Fenster und sich darin zum User ‚root‘ machen:

su -

2. Die Datei ‚/etc/apt/sources.list‘ (enthält die Verweise auf Paket Quellen, wo benötigte Software-Pakete später automatisch gesucht und heruntergeladen werden) ggf. ergänzen, z.B. mit dem Text-Editor ‚vi‘. Vorher aber mal ein Backup der Datei machen:

cp /etc/apt/sources.list /etc/apt/sources.backup-list
vi /etc/apt/sources.list

(Wir befinden uns nun im Text-Editor ‚vi‘. Wie sich dieser mächtige – aber auch für Neulinge etwas schwierige – Editor bedienen lässt, kann man hier, hier oder hier nachlesen. Es folgt der Inhalt meiner ’sources.list‘-Datei.)

deb http://ftp.de.debian.org/debian etch main
deb-src http://ftp.de.debian.org/debian etch main
deb http://security.debian.org/ etch/updates main contrib
deb-src http://security.debian.org/ etch/updates main contrib
deb cdrom:[Debian GNU/Linux 4.0 r0 _Etch_ - Official i386 DVD Binary-1 20070407-11:40]/ etch contrib main

(Zum Speichern der Datei und beenden von ‚vi‘ folgende Tasten nacheinander drücken ‚[ESC] : w q ! [ENTER]‚)

3. Die Liste der verfügbaren Pakete aktualisieren:

apt-get update

4. Den aktuellsten Sourcecode (Quelltext) von Pidgin, zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels war es v2.2.2 (aktuell v2.5.2), als tar ball (komprimiertes Archiv) mittels ‚wget‘ von der Pidgin Webseite herunterladen, z.B. nach ‚/home/benutzer/downloads/‘ – ‚benutzer‘ steht dabei für denjenigen User, als welcher man sich normalerweise am System (nicht als ‚root‘) anmeldet und arbeitet, z.B. ‚hans‘. Ggf. noch das Verzeichnis ‚downloads‘ vorher anlegen:

mkdir /home/benutzer/downloads
cd /home/benutzer/downloads
wget http://downloads.sourceforge.net/pidgin/pidgin-2.5.2.tar.bz2

(Man kann den Sourcecode auch mit seinem Lieblings-Browser, z.B. Iceweasel herunterladen und an der genannten Stelle abspeichern.)

5. Den tar ball entpacken:

tar xvjf pidgin-2.5.2.tar.bz2

6. Das ggf. angelegte Verzeichnis ‚downloads‘, den darin abgespeicherten tar ball, das aus dem tar ball entpackte Unterverzeichnis ‚pidgin‘ mitsamt Inhalt rekursiv an seinen User verschenken:

chown -R benutzer:benutzer /home/benutzer/downloads/

7. Die noch benötigten Abhängigkeiten (Pakete, die für die Kompilierung von Pidgin notwendig sein werden) mittels ‚apt-get‘ besorgen und installieren:

apt-get install gcc g++ linux-headers-`uname -r`
apt-get install libxml-parser-perl gettext
apt-get install libglib2.0-dev libgtk2.0-dev libxml2-dev
apt-get install libgnutls-dev
apt-get install libgstreamer0.10-dev
apt-get install libxss-dev libstartup-notification0-dev libgtkspell-dev
apt-get install libmeanwhile-dev libavahi-client-dev libavahi-glib-dev
apt-get install libdbus-glib-1-dev network-manager-dev libperl-dev
apt-get install tcl8.4-dev tk8.4-dev

8. In das Unterverzeichnis mit dem entpackten Sourcecode von Pidgin wechseln und darin die Kompilierung von Pidgin mittels ‚configure‘ vorbereiten. Dabei können verschiedene Parameter übermittelt werden, die einige Features von Pidgin aktivieren bzw. deaktivieren oder auch ggf. Pfad-Angaben zu sonst nicht gefundenen, weiteren Abhängigkeiten von Pidgin, im Falle, das ‚configure‘ nicht sauber durchläuft. Ich habe bisher nur die GnuTLS Unterstützung hinein konfiguriert, es kann aber sein, dass wenn z.B. später das SILC-Protokoll benutzt werden soll, weitere Parameter an ‚configure‘ übermittelt werden müssen:

cd /home/benutzer/downloads/pidgin-2.5.2/

(Jetzt kann man sich noch die Dateien ‚README‘ und ‚INSTALL‘ reinziehen, die wichtige Informationen enthalten, indem man z.B. ‚less README‘ oder ‚less INSTALL‘ schreibt. Mit einem Druck auf die Taste ‚q‚ kommt man aus ‚less‘ wieder heraus.)

./configure --enable-gnutls=yes

(Nur wenn der ‚configure‘ Befehl funktioniert hat, also keine schweren Fehlermeldungen erschienen sind, wird am Ende eine Übersicht angezeigt, mit welchen Parametern und Features Pidgin vorbereitet wurde. Dabei ist darauf zu achten, dass dort ‚YES‘ und nicht ‚NO‘ an den Stellen steht, die die Features auflisten, die man gerne hätte. Evt. ist beim konfigurieren etwas schief gegangen und es stehen zu viele ‚NO‘ in der Übersicht. Dann muss man evt. noch mehr Abhängigkeiten erfüllen, indem man die korrekt benannten Pakete mittels ‚apt-get install paketname‘ installiert. Den Aufruf von ‚configure‘ danach wiederholen, bis man sicher ist, dass alle Features, die man benötigt für Pidgin konfiguriert wurden und nutzbar sein werden.)

9. Jetzt können wir Pidgin kompilieren:

make

(Das wird eine ganze Weile dauern. Am besten einen oder zwei Kaffee trinken gehen. Läuft ‚make‘ nicht sauber durch, sondern bricht mit einer Fehlermeldung vorzeitig ab, wird analog zu Punkt 8 verfahren und evt. noch mehr Abhängigkeiten müssen besorgt werden. Danach ‚make‘ wiederholen, bis es klappt.)

10. Zum Schluss installieren wir Pidgin und schließen das Terminal-Fenster:

make install
exit

(Aufgepasst: Pidgin NICHT als Benutzer ‚root‘ starten, sonst erhält der Administrator ein unnötiges Konfigurationsverzeichnis, denn Pidgin-Einstellungen, Konten etc. werden für die verschiedenen Benutzer des Linux Systems getrennt gespeichert. Das Konfigurationsverzeichnis heisst vermutlich ‚~benutzer/.purple/‘)

(Starten: Evt. wurde jetzt schon ein Icon auf dem Desktop angelegt, wenn nicht, ist dies im Menü „Anwendungen->Internet->Pidgin Internet-Sofortnachrichtendienst“ zu finden – spätestens nach einem Ab- und wieder Anmelden. Startet jetzt Pidgin über das Icon und Ihr werdet nach einem bestehenden, eigenen Konto gefragt, welches hinzugefügt werden soll: z.B. ICQ. Sind die Daten eines bestehenden Kontos eingegeben, erscheint meistens sofort die Liste der auf dem Server gespeicherten Buddys bzw. erscheinen nur diejenigen Buddys, die gerade zufällig online sind.)

(Update: Soweit ich weiß, kann man nur bereits angelegte Konten hinzufügen bzw. ich habe noch nie ausprobiert, ob es möglich ist, z.B. ein ICQ-Konto bei dieser Gelegenheit direkt über Pidgin zu erstellen, jedoch bezweifle ich es. Es ist nämlich auch nicht möglich, sein ICQ-Passwort über Pidgin zu ändern – dazu MUSS man vorübergehend den original ICQ-Messenger installieren, in dessen Einstellungen, irgendwo bei „Privatsphäre“ oder so, die Option zum Ändern des ICQ-Passwortes finden und benutzen – danach kann man den original ICQ-Messenger wieder de-installieren und das neue ICQ-Passwort im ICQ-Konto bei Pidgin eintragen.)

(Tipp: Ich empfehle zum Schluss noch folgende Einstellungen im Pidgin vorzunehmen: ‚Buddys->Anzeigen->Offline-Buddys‘, ‚Buddys->Anzeigen->Protokoll-Icons‘ und “Buddys->Buddys sortieren->Nach Status‘)

Fertig.

Für konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge bin ich sehr dankbar und bitte diesen Artikel zu kommentieren.

Die Homepage von Pidgin:
http://www.pidgin.im/
Oder die Download-Seite für Pidgin bei SourceForge.net:
http://sourceforge.net/project/showfiles.php?group_id=235
Pidgin-PlugIns von Drittanbietern:
http://developer.pidgin.im/wiki/ThirdPartyPlugins/
FAQ (oft gestellte Fragen) zu Pidgin:
http://developer.pidgin.im/wiki/FAQ/
Alles rund um die SSL-Unterstützung von Pidgin:
http://developer.pidgin.im/wiki/FAQssl/
Die Homepage von SILC:
http://silcnet.org/
SILC über TOR (Anonymisierung) mit Pidgin:
http://board.planetpeer.de/index.php?topic=1468.0;wap2

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2 Kommentare

  1. CC 2 sagt …
    am 1. August 2008 um 20:19 | Permalink

    Hi,

    erstmal danke für den guten Artikel. Habe vor einigen Monaten nach dieser Anleitung Pidgin installiert (2.4.1), da ich mich mit Debian/Linux nicht so sehr auskenne. Hatte auch absolut keine Probleme.
    Seit einiger Zeit kann ich aber mein ICQ-Konto nicht mehr nutzen (da kam irgendwas von zu alter Client-Version). Jetzt habe ich mal die neue Version runtergeladen und wollte sie auch nach der Anleitung installieren. Allerdings kam beim Befehl „make“ folgende Meldung:

    xxxx:/home/yyy/Downloads/pidgin-2.4.3# make
    make: *** Keine Targets angegeben und keine »make«-Steuerdatei gefunden. Schluss.

    Habe dann ins Verzeichnis der alten Version gewechselt und diese per „make uninstall“ deinstalliert (habe das von der pidgin-Seite); das hat dann auch geklappt. Aber nachdem ich wieder ins neue Verzeichnis gewechselt bin, ging die Konfiguration wieder problemlos (zumindest erkenne ich kein Problem), aber beim Befehl „make“ kam wieder die gleiche Meldung.

    Weißt du woran das liegen könnte bzw. was ich machen muss, damit ich die neueste Version (2.4.3) kompilieren bzw. installieren kann?

    Gruß CC 2

  2. condor sagt …
    am 3. August 2008 um 5:53 | Permalink

    Hi, CC 2.

    Die Lösung für das Problem, dass Pidgin 2.4.3 sich beim Aufruf von „make“ nicht mehr kompilieren lässt, ist durch ein vorheriges Installieren der nötigen Pakete (sog. „build-dependencies“) zu erreichen. Erst dann läuft „configure“ sauber durch und erzeugt ein „Makefile“, welches wiederum der Befehl „make“ finden und kompilieren kann.

    Ich habe diesen Artikel bereits aktualisiert und auch einen neuen zu diesem Thema geschrieben.

    Vielen Dank für Deinen Hinweis!

    Condor

2 Trackbacks

  1. am 1. März 2008 um 8:10

    […] Da mich GAIM ziemlich ankäst, habe ich mich mal auf die Suche nach einer Pidgin Version die ich unter Debian installieren kann gemacht. Eine Fertig kompilierte Version habe ich nirgends gefunden. Aber ich habe irgendwann einen schönen Blogeintrag gefunden, in dem ganz einfach erklärt ist, wie man sich Pidgin selber kompiliert. Habe ich dann auch gemacht und hat bestens funktioniert! Leider dauert das kompilieren locker 20-30min. Ich kann mir deswegen auch nicht vorstellen jedes einzelne Programm selber zu kompilieren, sondern halt wirklich nur die Programme die ich anders nicht benutzen kann. Hier ist der Blogeintrag, wo man erfährt wie man Pidgin kompiliert. […]

  2. am 2. August 2008 um 20:19

    […] in dieser Anleitung genannten Pakete habe ich nun auch im Artikel “Multiprotokoll Messenger Pidgin unter Debian Etch” hinzugefügt, sodass auch jene Anleitung funktionieren sollte (und vollständiger […]