Wo Licht ist, da ist auch Schatten

GewitterKann man das, was wir Leben nennen, treffender beschreiben? Warum ist des einen Leid des anderen Freud‘? Wie viel Platz ist in unserer Welt und wie viel Platz räumen wir unseren Mitmenschen ein? Kann man nach tausend Jahren Regen noch daran glauben, dass die Sonne wieder scheint? Vielleicht sollte ich mir nicht solche tiefgründigen Gedanken machen und lieber die Zeit damit verbringen, viel Gold anzuhäufen, welches – so sagt man – von beständigem Wert sei.

Doch das Gold müsste ich dann wie meinen Augapfel hüten und mich von Albträumen, in denen Neider mir danach trachten, plagen lassen. Bei all den Widersprüchen in unserem Leben, kann es da noch etwas Schöneres geben? Was ist wirklich von beständigem Wert?

Ich möchte niemanden vorverurteilen. Wenn ich schreibe oder wenn ich spreche, so urteile ich jedoch. Es ist wohl das Gesetz der Kausalität, was den/die Lesende(n) oder den/die Zuhörende(n) dann in eine Position bringt, in der er oder sie sich möglicherweise angegriffen fühlt – oder auch nicht. Was ich damit sagen möchte… wir alle sind gefangen – oder wie man es auch ausdrücken könnte – verstrickt. Nennt es das „Rad der Zeit“, Schicksal, Vorsehung, Sanatana-Dharma, „das Gesetz der Serie“ oder wie auch immer, doch entziehen kann sich niemand. Fällt ein Sonnenstrahl auf ein Objekt oder eine Person, so wird unweigerlich ein Schatten gebildet, den man aufgrund seiner Abgrenzung zur umgebenden, helleren Fläche definieren könnte, den man aber auch – bei einer Änderung des geistigen Blickwinkels – als etwas Eigenständiges, als „selbst-genügsame“ Form von Existenz betrachten könnte. Weiß der Schatten, was er ist?

Oft höre ich Freunde sagen „ich kann nicht mehr“ oder „es reicht mir“, vielleicht auch „ich möchte loslassen“. Sie sagen mir dies mit suizidalen Hintergedanken. Da ich ein empfindungsfähiges Wesen bin, lässt mich sowas niemals kalt. Im Gegenteil, es kocht und brodelt in meinem Herzen, auch wenn sich meine Haut zur Gänsehaut verwandelt. Ich habe Verständnis dafür, dass man sich manchmal kraftlos, lustlos, sinnlos fühlt… man könnte das auch depressiv nennen. Für einige Menschen erscheint ihr ganzes Leben wie eine Aneinanderreihung von Leid und Depression. Dafür gibt es meist Gründe. Gründe, die man selbst vielleicht noch gar nicht durchschaut hat. Doch ist ein Langzeit-Tief etwas Unveränderliches? Wenn man „loslassen“ möchte und damit „sterben“ meint, dann sollte man sich doch eher fragen, woran man „festhalten“ möchte… dies erscheint mir konstruktiver. Wie soll etwas wachsen, wenn es keinen Durst stillenden Regen gibt?

MondphasenEs ist also ein Gesetz, dass alles rotiert. Mathematiker und theoretische Physiker hätten vielleicht Freude daran, wenn ich statt „rotiert“ besser „iteriert“ sagen würde, doch lassen wir das Erbsenzählen. Was wirklich zählt, ist das alles entsteht, sich verwandelt, vergeht und das ganze von vorne anfängt. Normalerweise können wir uns nicht an das „Vergangene“ erinnern – es gibt jedoch Ausnahmen. Ist man eine dieser Ausnahmen, erscheint alles so wie zuvor, doch ist das eben nur der Schein (oder der Schatten). Schaut man in das Innere, kann man eine Veränderung erkennen: die Essenz einer Sache, eines Dinges oder einer Person wurde verfeinert. Diese Vorstellung lässt sich nicht auf gut oder schlecht beziehen – sie steht jenseits davon… Die Veränderung ist das Leben selbst.

Hiermit sollen alle Philosophen, Träumer, Liebenden, Hassenden, Fleißigen, Faulen und auch alle anderen Menschen aufgerufen sein, sich selbst zu hinterfragen – und in Stunden der Traurigkeit oder gar Resignation eines nicht vergessen:

„Einfach Austreten ist weder keine Lösung, noch ist es möglich. Strickt Euch besser etwas Schönes aus dem zusammen, woran es lohnt, festzuhalten – doch begehrt dabei nichts… seid dankbar. Die Erlösung kommt dann wie von alleine.“

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1 Kommentar

  1. LeanDracalea sagt …
    am 30. November 2007 um 14:51 | Permalink

    Ich stimme dir voll und ganz zu. Doch manche haben evtl. einen sehr harten Leidensweg, und wünschen sich nichts sehnlicher als Erlösung.
    Was soll man denn dazu sagen ?
    Es liegt doch alles schwer in der Waagschale.
    Eine Frau und ein Mann. Sie leidet seit Jahren an einer schweren Krankheit. Er ist ist ratlos. Die Ärzte auch. Es gibt nichts was die Schmerzen lindert, was die Krankheit heilt. Sie ist verzweifelt und will nicht mehr. Er kann nur zusehn. Sie wendet sich mit einer letzten Bitte an ihren Mann.
    Er erfüllt ihr schweren Herzens ihre Bitte. Und erhängt sich kurz danach selbst.
    Das ist Realität ! Und sie passierte vor ein paar Tagen in dem Dorf, in dem ich aufwuchs.
    Sie hat losgelassen durch Ihn.
    Gefangen ja, das sind wir Menschen. Haben sie sich befreit ?
    Es bleibt eine Frage… Ohne Antwort.

    Wer sich keine tiefgründigen Gedanken macht, lebt nicht wirklich.
    Und ob Gold beständig ist ? Wer weiß… es sollte ohne Wertschätze gehen. Ohne Gier nach Geld oder Gold. Jeder müsste für jeden da sein. Ohne Erwartung !

    In dem Sinne…

    Lean Dracalea