Grafiktabletts unter Linux nutzen

Ein Bild, das ich mit einem Grafiktablett und GIMP als ein Test gemalt habeNach einer langen Nacht der Recherche, nach vielem Ausprobieren, Herunterladen und Kompilieren, habe ich nun geschafft, mein USB-Grafiktablett unter Ubuntu Linux 10.10 (64-Bit) zum einwandfreien Funktionieren zu bewegen – und zwar so, wie ich es mir vorgestellt habe – mit allen Funktionen nutzbar innerhalb von GIMP und Inkscape, zwei hervorragende Programme, die natürlich installiert sein sollten. GIMP für die Erstellung und Bearbeitung von Pixel-basierten Bildern (ähnlich wie »Adobe Photoshop« usw.) – Inkscape für die Erstellung und Bearbeitung von Vektor-basierten Grafiken (ähnlich »Corel Draw!« usw.)

Es ist eigentlich total einfach, wenn man weiß wie und sich nicht von den vielen, teilweise veralteten und widersprüchlichen, englischen Anleitungen da draußen irritieren lässt. Letztlich muss Folgendes gemacht werden …

Einrichtung des Grafiktabletts in Ubuntu (GNOME/X-Server)

  1. Terminal-Fenster öffnen
  2. Das PPA (zusätzliche Paketquelle) von Martin Owens mit den neuesten Grafiktablett-Treibern für Ubuntu hinzufügen (für Grafiktabletts von Wacom sowie viele andere) und die Paketquellen aktualisieren
    sudo add-apt-repository ppa:doctormo/wacom-plus
    sudo apt-get update
  3. Nötige Pakete installieren
    sudo apt-get install wacom-dkms xserver-xorg-input-wacom
  4. Rechner neustarten
  5. Grafiktablett anschließen – es sollte sofort funktionieren und in der Linux-Arbeitsumgebung bereits als Maus-Ersatz nutzbar sein

Einrichtung des Grafiktabletts in GIMP

Wenn Ihr GIMP gestartet habt, den Menüpunkt »Bearbeiten ? Einstellungen« aufrufen, den Abschnitt »Eingabegeräte« wählen und auf den Knopf »Erweiterte Eingabegeräte konfigurieren …« klicken. Das Dialogfenster »Eingabegeräte konfigurieren« erscheint.

In der Auswahlliste »Gerät:« müssten nun direkt mehrere erkannte Geräte auftauchen, die sich auf Euer Grafiktablett beziehen, wenn Ihr diese Liste mal öffnet. Bei mir sind das vier Einträge, die jeweils mit »Wacom …« beginnen und mit »… Finger touch«, »… Finger pad«, »… Pen stylus« und »… Pen eraser« enden – dies entspricht den Funktionen des Grafiktabletts, die sich natürlich von Modell zu Modell unterscheiden. Auf jeden Fall, jeden Eintrag, der sich auf das Grafiktablett bezieht, einzeln auswählen und dazu jeweils den »Modus:« von »Deaktiviert« in »Bildschirm« ändern! Dies aktiviert die Grafiktablett-Funktionen.

Hinweis: Falls Ihr auch einen Eintrag »Virtual core XTEST pointer« habt, für diesen bitte den Modus auf »Deaktiviert« stehen lassen. Es wird wohl auch ein weiterer Eintrag auftauchen, z.B. für Eure Tastatur – diesen so eingestellt lassen, wie er ist. Bitte auch die Einstellungen für Achsen und Tasten erstmal so lassen, wie sie sind.

Nun auf die Knöpfe »Speichern«, »Schließen« und »OK« klicken, um die Einstellungen zu schließen, danach ggf. GIMP neustarten.

Das Grafiktablett sollte jetzt einwandfrei in GIMP funktionieren und zwar inklusive der Berücksichtigung des Stiftdrucks usw.

Hinweis! Wenn Ihr ein Grafiktablett habt, bei dem das hintere Ende des »Stylus« (Plastik-Stifts) einen elektronischen Radiergummi hat, wundert Ihr Euch möglicherweise, warum diese »Eraser«-Funktion nicht radiert, sondern in der Farbe Schwarz und mit dem Pinsel-Werkzeug »malt« – das ist ein Feature!

GIMP erkennt diesen »Eraser« als einen weiteren Stift mit separaten, gespeicherten Werkzeug-Einstellungen etc. an – einfach mal mit dem hinteren Ende des Stifts, also dem »Eraser« im GIMP-Werkzeugkasten auf das Radiergummi-Werkzeug tippen und schon funktioniert der »Eraser« wie erwartet, auch nach einem erneuten Drehen des Stifts – es ist nicht nötig, dem »Eraser« erneut den Radiergummi zuzuweisen.

Als kleiner Beweis dafür, dass ich das Grafiktablett zum Laufen gebracht habe, dient das Bild, was ich damit eben auf die Schnelle in GIMP gemalt habe (siehe oben).

Einrichtung des Grafiktabletts in Inkscape

Wenn Ihr Inkscape gestartet habt, den Menüpunkt »Datei ? Eingabegeräte …« aufrufen. Die Leiste »Eingabegeräte …« erscheint. Darin im Reiter »Konfiguration« unterhalb des Knotens »Grafiktablett« müssten nun mehrere erkannte Geräte auftauchen, die sich auf Euer Grafiktablett beziehen. Bei mir sind das vier Einträge, die jeweils mit »Wacom …« beginnen und mit »… Finger touch«, »… Finger pad«, »… Pen stylus« und »… Pen eraser« enden – dies entspricht den Funktionen des Grafiktabletts, die sich natürlich von Modell zu Modell unterscheiden. Auf jeden Fall, jeden Eintrag, der sich auf das Grafiktablett bezieht, einzeln auswählen und die linke Maustaste rechts daneben gedrückt halten, um den jeweiligen Zustand von »Ausgeschaltet« in »Bildschirm« zu ändern! Dies aktiviert die Grafiktablett-Funktionen. Ggf. unten noch im Ankreuzfeld »Druckempfindliches Grafiktablett verwenden (erfordert Neustart)« einen Haken setzen.

Nun auf den Knopf »Speichern« klicken, danach ggf. Inkscape neustarten.

Das Grafiktablett sollte jetzt einwandfrei in Inkscape funktionieren und zwar inklusive der Berücksichtigung des Stiftdrucks usw.

Fertig!

Falls Ihr noch Fragen habt oder einen guten Tipp parat habt, wie man noch effizienter mit Grafiktabletts unter Linux, GIMP, Inkscape oder anderen Anwendungen arbeitet, kommentiert doch einfach diesen Artikel.

Vielen Dank!

Weitere Informationen

Blog-Artikel von Who-T »Wacom support in Linux«:
http://who-t.blogspot.com/2010/09/wacom-support-in-linux.html

Sourceforge-Projekt »linuxwacom«, Wiki-Seite »Tablet Configuration«:
http://sourceforge.net/apps/mediawiki/linuxwacom/index.php?title=Tablet_Configuration

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7 Kommentare

  1. Martin sagt …
    am 3. Dezember 2011 um 17:31 UTC+1 | Permalink

    Hi Dennis,
    da ich momentan ebenfalls auf der Suche nach einem vernünftig unterstützten Grafiktablet unter Ubuntu bin: Was genau für ein Modell nutzt Du? Aufgrund der Beschreibung im Artikel gehe ich von irgendeinem Wacom aus, aber welches (oder sehe ich nur den Wald vor lauter Bäumen nicht)?
    Danke für eine kurze Info,
    Martin

  2. Condor sagt …
    am 3. Dezember 2011 um 17:42 UTC+1 | Permalink

    Hallo Martin.

    Es müsste mit vielen Wacom-Grafiktabletts gehen. Ich nutze hier jedenfalls erfolgreich das kleine USB-Grafiktablett »Wacom Bamboo CTH-460« mit Ubuntu 10.10 64-Bit (2.6.35-31-generic #62).

    Würde mich freuen, wenn Du hier später berichtest, ob das Grafiktablett, was Du Dir ausgesucht hast, mit Deinem Linux (welchem genau), GIMP und Inkscape etc. funktioniert.

    Hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.

    Gruß,

    Dennis

  3. Martin sagt …
    am 4. Dezember 2011 um 18:38 UTC+1 | Permalink

    Hallo Dennis,

    vielen Dank für die Info. Es soll ein Weihnachtsgeschenk für meinen Sohnemann werden. Er nutzt ebenfalls Ubuntu 10.10 (32-Bit). Gedacht ist es in erster Linie auch für Gimp.

    Ich werde hier mal berichten, ob und wie alles funktioniert. Wird aber noch bis nach Weihnachten dauern :-)

    Vielen Dank auf jeden Fall schon mal für die Infos und den guten Artikel.

    Grüße,
    Martin

  4. Martin sagt …
    am 8. Januar 2012 um 16:16 UTC+1 | Permalink

    Hallo,

    so, nun kommt wie versprochen mein Erfahrungsbericht mit dem Wacom Tablet. Um es vorwegzunehmen: Ich bin jetzt um einige graue Haare reicher ;-)

    Ausstattung:
    Wacom Bamboo Pen (CTL-470/K), angeschlossen über USB
    Ubuntu 11.04 (32 Bit)
    Gimp 2.6

    Ich hatte zunächst die Anleitung oben ausprobiert, bekam allerdings beim Installieren (sudo apt-get install wacom-dkms) immer eine Fehlermeldung, dass das Paket wacom-dkms nicht gefunden wurde. Also weiterrecherchiert und diverse andere Anleitungen erfolglos ausprobiert. Auch wenn teilweise die Installationen fehlerfrei durchliefen, wurde das Tablet nie erkannt – weder auf der Kommandozeile im Terminal (xsetwacom –list devices) noch unter den Systemeinstellungen in Gnome (Punkt “Wacom Grafiktablett”)

    Erst nachdem ich diese Anleitung auf ubuntuforums.org durchgeackert habe, hat es letztendlich funktioniert:
    http://ubuntuforums.org/showthread.php?t=1515562

    Wichtig:
    Am Ende der Installation muss das Kernelmodul “wacom” manuell geladen werden:
    sudo modprobe wacom

    Wenn es funktioniert hat, sieht man das Modul mit “lsmod”.
    Und wenn das Tablet über USB angeschlossen ist, sieht man es mit “lsusb”.
    Dann ließ sich das Tablet in Gimp wie oben in der Anleitung konfigurieren und problemlos nutzen.
    Das Tablet wird jetzt auch mit xsetwacom “–list devices” angezeigt, jedoch immer noch nicht in den Gnome-Systemeinstellungen. Dies tut der Funktionalität aber keinen Abbruch.

    Noch eine Ergänzung für Ubuntu 11.10 (32 Bit):
    Hier wird das Wacom-Tablet bei mir auch in den Gnome-Systemeinstellungen angezeigt, allerdings scheint es ein generelles Problem in Gimp 2.6.11 zu geben. Es werden beim Zeichnen immer irgendwelche “Phantom”-Striche gezogen (Details unter https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/gimp/+bug/863154). Wer dieses Problem auch hat, kann folgendes Probieren (hat bei mir geholfen):

    sudo add-apt-repository ppa:aapo-rantalainen/gimp26-noghostline
    sudo apt-get update
    sudo apt-get install gimp

    Wie gesagt: Mittlerweile funktioniert das Tablet einwandfrei mit Gimp (mit anderen Programme nutze ich es nicht), aber der Weg dorthin war sehr steinig. Man sollte sich also darauf einstellen, etwas mehr Zeit für die Installation anzusetzen. Das Erfolgserlebnis ist aber dann umso größer :-)

    Grüße,
    Martin

  5. Condor sagt …
    am 9. Januar 2012 um 01:02 UTC+1 | Permalink

    Hallo Martin.

    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht! Eieiei, da hatte ich wohl mit meinem Maverick, dem X-Server, dem Kernel und Gimp noch Glück gehabt. Offensichtlich ist bei Ubuntu wieder so einiges kaputt gegangen. Ich nutze derzeit noch XOrg 7.5+6ubuntu3 und Gimp 2.6.10-1ubuntu3.4.

    Freut mich jedenfalls, dass es am Ende bei Dir geklappt hat. Ich bin mir sicher, dass es in Inkscape ebenfalls funktionieren müsste – wenn nicht Inkscape auch wieder Regressions eingebaut hat.

    Noch viel Erfolg und Spaß,

    Dennis

  6. am 20. September 2012 um 18:59 UTC+1 | Permalink

    Hallo an @lle ;-)

    Leider habe ich trotz aller Versuche die hier beschrieben wurden keinen Erfolg gehabt :-/ (UBUNTU 10.10, Pen CTL-470). Ich bin langsam am verzweifeln. Hardwaremäßig wird das Tablet erkannt (isusb) und angezeigt, nur es funktioniert nicht. Meistens arbeite ich unter einem virtuellen WinXP SP3 (virtualbox), dort wird mir der normale Mauszeiger angezeigt, wenn ich den Pen bewege kann ich Icons markieren, aber ich sehe nicht wo ich bin, da der Mauszeiger nicht übernommen wird. Es ist einfach nervig und sehr zeitaufwendig …

    Vielleicht kann einer helfen oder hat ein ähnliches Problem bereits gelöst, würde mich freuen wenn ich Antworten bekäme.

    Herzliche Grüße
    R. Spitzner

  7. Condor sagt …
    am 30. September 2012 um 19:48 UTC+1 | Permalink

    Hi Rocco.

    Das das Grafiktablett per “lsusb” gefunden wird, ist schon mal gut.

    Innerhalb einer virtuellen Maschine (virtualbox) habe ich selber das Grafiktablett noch nicht ausprobiert. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Gasterweiterungen für das jeweilige Gastsystem installiert sein müssen. Ggf. auch noch die Grafiktablett-Treiber innerhalb des jeweiligen Gastsystems.

    Funktioniert das Grafiktablett denn in Ubuntu (außerhalb einer virtuellen Maschine) korrekt?

    Gruß,

    Dennis

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